Martinsturm Bregenz

Geschichte

 

 

Sagen der Oberstadt Bregenz

 

 

Wandbild der Stadtretterin am Haus Martinsg. 4

Die Stadtretterin Guta

 

Im Appenzellerkrieg hielten einmal Männer aus der Schweiz und vom Bunde ob dem See in einer Taverne zu Rankweil bei versperrter Türe Rat und beschlossen, Bregenz zu überrumpeln und seine Bewohner zu ihrem Bund gegen den stolzen schwäbischen Adel zu zwingen. Man bestimmte dazu den St.-Hilari-Tag. Die Eidgenossen, die sich in der Stube allein und unbelauscht wähnten, gewahrten hinter dem großen Ofen ein Weib, das dem Anschein nach schlief. Es hatte aber den ganzen Anschlag auf die Stadt gehört. Mit dem Tode bedroht, erzählte sie den rauhen Männern, wie sie halb erfroren schon bei der Dämmerung hierher gekommen und hinter dem Ofen vom tiefsten Schlafe überwältigt worden sei. Das arme Weiblein mußte schwören, von dem, was sie etwa vernommen, keinem Menschen etwas zu sagen. Mit wilden Drohungen vor die Türe gestoßen, suchte sie im Stalle Zuflucht. Fest entschlossen, die Stadt Bregenz vor einem Überfall zu warnen, eilte sie auf tiefverschneitem Wege bei der grimmigsten Kälte nach Bregenz hinab, wo sie ganz entkräftet sogleich nach dem Stadtammann fragte, der im Rate war. Fast außer Atem trat sie in die Ratsstube zu den versammelten Herren und stellte sich vor den Ofen hin. Von ihrem verrückten Tun befremdet, fragten die Herren sie um ihr Begehren. Sie gab zur Antwort, sie komme eilends von Rankweil. Sie sei von einem Eid gebunden, was sie dort mit eigenen Ohren gehört und mit eigenen Augen gesehen, keinem Menschen zu erzählen, und drum sage sie es dem Ofen. Nachdem sie das zu Rankweil Erfahrene umständlich erzählt hatte, fragten sie die Ratsherren um ihren Namen. "..Ich heiße Guta, und alles nennt mich die alte Guta", war ihre Antwort. Graf Wilhelm von Montfort-Bregenz, der dies alles vom Stadtammann gehört hatte, zeigte durch Eilboten dem schwäbischen Adel vom St.-Georgenschild die dringende Gefahr an. Achttausend Mann, Ritter und Knechte, waren bis zum St.-Hilaritag gen Bregenz zur Rettung der Stadt eiligst herangezogen. Guta bekam als Belohnung Nahrung und Obdach, jedoch verlangte die Guta, daß die Nachtwache der Stadt von Martini bis Lichtmeß die neunte Abendstund mit dem Rufe anzeigen solle: "Gelobt sei Jesus Christus, Ehret die Guta!", das im Volksmunde in Ehrguta zusammenschmolz.

Die Anordnung des armen Weibes wurde durch 404 Jahre getreu befolgt, bis 1812 der damalige königlich bayrische Landrichter Weber diese geschichtliche Erinnerung abschaffte. Im Jahre 1814 aber fand jener Wächterruf beim dankbaren Volke sogleich Wiederaufnahme, nachdem der königlich bayrische Landrichter vertrieben worden war.

So wanderten vor Mitternacht zwei Nachtwächter die obere und die untere Stadt durch, und zwar in der Richtung, wie sie sich selbst untereinander einverstanden und ein jeder von ihnen rief von Martini bis Lichtmeß um neun Uhr auf allen Rufplätzen der oberen und unteren Stadt: " Gelobt sei Jesus Christus, Ehreguta, Ehreguta!"

 

Quelle: Die Sagen Vorarlbergs, Franz Josef Vonbun.

 

Kupferstich der Martinsburg

In der Martinsburg

 

Das ehemalige bürgerliche Spital von Bregenz, in der oberen Stadt, war vor alters ein Frauenkloster. In diesem alten Gebäude sieht man in der Nacht manchmal eine Klosterfrau umgehen.

 

Auch hört man oft in diesem Hause - man hieß es früher die Martinsburg - nachts zwischen zwölf und eins einen Geist klopfen, als ob jemand Holz hacke. Die Leute, die diesen Geist gesehen haben, schildern ihn als ein kleines Männle mit langem, bis zu den Knien reichenden grauen Barte. Man hat auch oft ein altes eisgraues Männle auf dem Dachboden dieses Hauses herumspringen sehen und viele Leute im Haus getrauen sich nicht, auf den Dachboden hinauf zu gehen.

 

 

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl